Geschichte

Karate hat als Kampfkunst ihren Ursprung In Okinawa. Okinawa ist eine große Insel nahe bei Japan und gehört heute politisch zu diesem Land. In der Vergangenheit hatten Okinawa und Japan aber sowohl politisch als auch kulturell nur wenig miteinander zu tun. Okinawa hatte im Gegensatz zu Japan recht früh regen kulturellen Austausch mit China.

Bereits in der Frühzeit gab es auf Okinawa eine Kampfkunst, die sich einfacher Techniken bediente. Durch den Einfluss Chinas entwickelte sich hier bald durch Vermischung von chinesischer Kampfkunst – dem Quang Fa (Kung Fu) – und den einheimischen Techniken ein eigenständiges System, das Tode (,,Hand der Tang“ (China)) oder auch das Okinawa Te (Hand von Oki).

Aus dieser einheitlichen Kampfkunst entwickelten sich zwar im Laufe der Zeit mehrere regionale Stile (Naha-te, Shuri-te, Toman-te), die sich aber alle als Teil des Hauptsystems begriffen.

Im 17. Jahrhundert allerdings wurde Okinawa seiner politischen Eigenständigkeit durch den Einfall der Satsuma Samurai (Japan) beraubt und unter deren Kontrolle gebracht. Der Einfluss Chinas wurde abgeschnitten.

Karate wird zur notwendigen Selbstverteidigung

Die bis dahin entstanden Kampfkünste wurden weiter im Geheimen trainiert, um den besetzenden Satsuma entsprechend Widerstand leisten zu können. In dieser Zeit entwickelte das Tode wohl eine bis dahin ungeahnte Effektivität. Den Okinawanern war das Tragen von Waffen oder Eisenwerkzeugen verboten worden, um jeden Widerstand  gegen die Besatzung im Keim zu ersticken. Die okinawanischen Kampfkunstexperten verfeinerten daher die Methoden des waffenlosen Kampfes, um auch gegen bewaffnete Krieger bestehen zu können. Gleichzeitig wurden alle gebräuchlichen Haushaltswerkzeuge zu Waffen umfunktioniert, was heute in der Kampfkunst Kobudo trainiert wird.

Kontakt zu Japan 

Anfang des 20. Jahrhunderts verbesserte sich das Verhältnis von Okinawa und Japan und die okinawanischen Tode-Meister beschlossen, die bisher geheim gehaltene Kampfkunst öffent­lich zu verbreiten – und dies insbesondere in Japan. Meister Gichin Funakoshi (1868 -1957) wurde ausgewählt, das Tode in Japan zu demonstrieren. 

Die Japaner waren begeistert von der für sie neuen Kampfkunst. Funakoshi eröffnete in Tokyo ein Dojo, das Shotokan hieß (,,Haus des Shoto“; Shoto war der Künstlername Funakoshis, der sich viel mit Lyrik beschäftigte).

Der Kontakt mit den Japanern kostete das von Funakoshi gelehrt Okinawa Te aber einen nicht unerheblichen Tribut. Zunächst wurde die normale Kleidung der Okinawaner gegen den weißen Anzug des Judo eingetauscht, dann wurde  auch das Gürtelsystem (Kyu Grade, Dan Grade) von dem japanischen Judo übernommen. Da die Japaner mehr an der quantitativen Verbreitung der Kampfkunst interessiert waren, als an der QuaIität und den geistigen Inhalten, vereinfachte Funakoshi das Training außerdem so, dass es für eine breite Masse leichter zugänglich wurde.

Verbreitung des Shotokan Karate

So fand das Karate in Japan großen Zuspruch und weite Verbreitung. Funakoshi übergab schließlich in den 1930ern die Leitung seines Dojo an seine Sohn Yoshitaka Funakoshi. Die­ser veränderte den Stil seines Vaters schließlich grundlegend und brachte wieder die ursprünglich von Sensei Azato stammenden aggressiveren und kämpferischen Elemente ein. Yoshitaka verstarb leider recht früh an Tuberkulose,  das Shotokan Dojo wurde 1945 bei einem Bombenangriff zerstört. 

Ein Schüler Yoshitaka  Funakoshis Masatoshi Nakayama nahm den Unterrichtsbetrieb wieder auf und gründete ein eigenes Dojo, dem er ebenfalls den Namen Shotokan gab. Er veränderte den Stil weiter und brachte viele sportliche Aspekte und eine Reihe neuer Katas ein. Er gründete auch die JKA (Japan Karate Association) und sorgte für eine weltweite Verbreitung des Stils.

Was heute Shotokan Karate ist, ist damit eigentlich eine japanisierte Form des ursprünglichen Okinawa Te. Im Laufe der Letzten 40 Jahre besannen sich die japanischen Meister allerdings zunehmend auf die Ursprünge der okinawanischen Kampfkunst und das Shotokan Karate. Mittlerweile steht wieder die Kunst und weniger der reine Sport und der Wettbewerb sondern der Mensch in seinem ursprünglichen ungeteilten Sein im Mittelpunkt.